Hilbringen

Hilbringen ist sozusagen das geschmückte Foyer der Kernstadt Merzig. Von Hilbringen nach Merzig über die große Saarbrücke – es ist nur ein Wimpernschlag. Zudem finden sich Merzigs bedeutendste Freizeiteinrichtungen wie Zeltoper, DAS BAD, Yachthafen und Brauhaus links der Saar, also auf Hilbringer Bann. Und noch eine Gemeinsamkeit: wie Merzig hat auch Hilbringen durch den Leinpfad eine eigene Flaniermeile entlang des großen Flusses. Mit knapp 2.600 Einwohnern ist man zudem hinter Brotdorf und Besseringen gewissermaßen drittstärkste Kraft unter Merzigs Stadtteilen.

Zentraler Mittelpunkt des Ortes ist noch immer der Schlossberg. Auf der nach drei Seiten abfallenden Anhöhe steht ein vornehm wirkendes, mit Weinlaub umranktes Herrenhaus – ein barocker Prachtbau von Christian Kretzschmar aus den Jahren 1745 bis 55, errichtet für die Familie de Maurice. Die Hilbringer nennen es nur "Das Schlösschen". Und die Handschrift des Meisters in unverkennbar. Ähnlich dem Stadthaus und dem Staadt-Marxschen Bürgerhaus in der Merziger Fußgängerzone betont er auch hier ganz besonders die Mitte: Portal, Balkon und Stichbogengiebel sind dabei als Risalit zusammengefasst. Die Gestaltung der seitlichen Fensterachsen ist dagegen von zurückhaltender Noblesse. Beides zusammen ergibt ein harmonisches Bild. Nicht minder anmutig präsentiert sich die Rückseite des Schlosses. Dabei scheint der zum Schloss führende Weg zunächst durch einen als Naturdenkmal geschützten, kunstvoll geschnittenen Schnurbaum japanischer Herkunft versperrt. Einfach ducken und unten durch! Ein Mauerpförtchen gewährt rechter Hand voyeuristische Einblicke auf einen Rosengarten, der in seiner Wildheit an einen märchenhaften Dornröschengarten denken lässt. Das Schlösschen befindet sich allerdings in Privatbesitz, ist daher nur von außen zu besichtigen.

Gut möglich, dass der kantige Schlossberg bereits schon im Mittelalter Geschichte schrieb. Die Vermutung liegt nahe, dass auf dieser Anhöhe wahrscheinlich schon im  13. Jahrhundert ein "festes Haus" stand, der Stammsitz der ersten Ritter von Hilbringen. Deren Geschlecht starb übrigens mit Reinhard von Hilbringen im Jahre 1611 aus. Bereits im Jahre 1589 wird dagegen St. Peter in den Ketten als Patron der Hilbringer Kirche erwähnt. Damit ist er sowohl Schutzheiliger der Stadt Trier als auch des Ortes Hilbringen. Und noch vor 1600 wird ebenfalls von einem vielbesuchten Petersmarkt in Hilbringen berichtet.

Mit dem Dreißigjährigen Krieg kommt das Unheil, und noch Jahre danach hat sich das Land an der Unteren Saar davon noch nicht erholt. So zählen die sieben Orte der Obermeierei Saargau, Hilbringen, Ballern, Rech, Ripplingen, Fitten, Mondorf und Silwingen im Jahre 1663 zusammen gerade noch 16 Einwohner. In der Untermeierei Saargau mit Schwemlingen, Büdingen, Wellingen, Weiler, Wehingen, Bethingen und Büschdorf sieht es übrigens nicht besser aus, hier sind es sogar nur noch 5 Einwohner, die überlebt haben! Und auch die Folgejahre waren augenscheinlich nicht glückreicher. So gründet im Jahr 1680 der Hilbringer Pastor Calmes eine St. Sebastian-Bruderschaft und in der Kirche wird ein Sebastian-Altar aufgestellt – Indizien dafür, dass damals die Pest im Lande herrschte. Im Jahr 1709 wird dann eine neue Kirche erbaut. Durch einen Erweiterungsbau im Jahre 1746 erhält sie schließlich einen kreuzförmigen Grundriss. Die Katholische Pfarrkirche St. Peter in den Ketten wie sie sich uns heute präsentiert, stammt allerdings aus den Jahren 1890 - 91, erbaut von Wilhelm Hector.

Dass zwischen Hilbringen und Merzig eine Fähre verkehrte geht wiederum aus einem Dokument des Jahres 1743 hervor. Darin tritt der Herzog von Lothringen der Pfarrei Hilbringen das halbe Fährrecht über die Saar ab, oder anders ausgedrückt: die Hälfte aller Einnahmen dieser Fähre.

Interessantes und teilweise Kurioses hält die Hilbringer Ortschronik Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts bereit: So erobern im Sommer 1794 französische Revolutionstruppen das Land an der Unteren Saar. Wenig später wird daruafhin auch bei uns die französische Revolutionsgesetzgebung eingeführt, mit teilweise recht drastischen Folgen: So muss die Hilbringer Gemeindeverwaltung beschließen, alle religiösen Zeichen aus ihrer Kirche zu entfernen. Die Kirche wird von nun an als "Tempel der Vernunft" bezeichnet. Das Jahr 1815 hält eine weitere bemerkenswerte Anekdote der Geschichte bereit: Die Verbündeten gegen Napoleons Frankreich sind mittlerweile bis nach Frankreich vorgedrungen und haben dabei die Festung Saarlouis einfach ausgelassen. Diese liegt nun wie eine Insel im Feindesland. Ein bunt gewürfelter Haufen von dort – darunter auch eine Frau in Husarenuniform – fällt eines Tages in Merzig ein und entführt wohlhabende Merziger Bürger hinüber nach Hilbringen, um für sie Lösegeld in Höhe von 3.000 Franken zu erpressen. Sie begnügen sich denn letztlich auch mit der bescheidenen Summe von 1.000 Franken, bevor sie wieder aus Hilbringen vertrieben werden und die Rheinprovinz schließlich gänzlich an Preußen fällt.

1828 beginnt denn auch in Hilbringen die Zeit der Auswanderung nach Amerika. Allein im Jahre 1847 sind es vierundzwanzig Personen, die Hilbringen den Rücken kehren!

Und dies, obwohl im Jahr 1835 der industrielle Aufschwung fast über Nacht einsetzt. In schneller Folge entstehen um Hilbringen 14 Ziegeleien, in Hilbringen selbst allein 8. 

Vierzig Jahre später werden in diesen Betrieben rund 300 Arbeiter beschäftigt sein. Sie werden dabei pro Stück bezahlt. Für 1.000 Ziegel erhält ein Arbeiter rund 5 Mark.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Zu Beginn des Ziegel-Booms im Jahre 1836 zählt Hilbringen rund 101 Häuser von denen 79 mit Stroh gedeckt sind. Im Jahr 1864 sind in der Bürgermeisterei Hilbringen bei fast gleicher Einwohnerzahl dann allerdings nur noch 7,9 % der Dächer aus Stroh. Auch dies ein Zeichen des Fortschritts. Zum Vergleich: In Wadern sind es da noch 63%, im Kreis Merzig-Land 63,5 % und in Weiskirchen 72,4% mit Stroh gedeckte Dächer!

Für das Jahr 1885 wird der Neubau einer Straße, den Hang des Nackberges hoch nach Mondorf, Silwingen und Biringen erwähnt. Diese Straße, die die bis dato abgelegenen Dörfer erschloss, wird übrigens noch heute die "nau Strooß" genannt. Und noch etwas wollen wir nicht verschweigen: Zur gleichen Zeit geht der Anbau von Tabak, Gerste und Raps wegen hohem Steuerdruck stark zurück, dafür steigt der Obstbau stark an, besonders an den Hängen von Müllerberg und Monbach. Und eine Zahl lässt aufhorchen: Jede Hilbringer Kelterei macht um diese Zeit 40 bis 60 Funder Viez! Nun wollen Sie sicherlich wissen, wieviel ein Fuder ist? Ein Fuder sind 6 Ohm, oder 800 bis 1840 Liter – je nach Region, Zeit und Ware, meistens jedoch Wein. Geht es auch genauer? Wir wollen es versuchen. Da unsere Region damals zu Preußen gehörte, lässt sich die produzierte Viez-Menge wie folgt ermitteln: 1 preußisches Ohm sind demnach 2 Eimer oder 137,403 Liter. Nach "Adam Riese" sind ein Fuder also 824,42 Liter. Und jetzt der Höhepunkt der Rechenstunde: 40 bis 60 Fuder waren also zwischen 32.976 bis 49.465 Liter Viez, die damals in den Keltereien von Hilbringen produziert wurden! Fast 50.000 Liter Viez – wer das wohl alles getrunken hat?Vielleicht wurde damals ja schon der Grundstein für das Merziger Viezfest gelegt...

Das Jahr 1900 wird für Hilbringen ein Jahr der technischen Neuerungen: Eine Wasserleitung wird von Mechern nach Hilbringen gebaut und der Ort erhält sozusagen als "Sahnehäubchen" auch noch eine Petroleum-Straßenbeleuchtung. Für damalige Verhältnisse, der pure Luxus! Im Jahre 1921 wird das Nonnenkloster St. Elisabeth gegründet, das sich noch immer in der Fitter Straße befindet. Den kältesten Winter des Jahrhunderts erleben die Hilbringer und mit ihnen alle Merziger dann 1929. Selbst die Saar ist dabei ganz zugefroren. Im gleichen Jahr, als 1933 Hitler in Deutschland die Macht übernimmt, machen sich viele hundert Hilbringer Bürger und Bürgerinnen auf, zur Hl. Rock-Wallfahrt nach Trier. Im Anschluss daran errichten sie auf dem Nackberg, oberhalb des Ortes, ein großes Betonkreuz, das noch heute weit in den Himmel ragt.

Im Jahr 1938 wird dann die Saar begradigt, und eine neue Saarbrücke – hinüber nach Merzig – gibt´s dazu, die allerdings 1944 von Pionieren der Wehrmacht gesprengt wird.

Und nun noch zwei bemerkenswerte Pioniertaten des Hilbringer Gemeinderates: Nur vier Jahre nach Kriegsende, also 1949, beschließt er das Naturschutzgebiet Nackberg – mit seinen Streuobstwiesen und orchideenreichen Kalkhalbtrockenrasen bis heute eines der ältesten der Bundesrepublik. Und bereits 1959 stellt der Gemeinderat das Gelände für den Bau eines SOS-Kinderdorfes bereit, es ist bis heute das einzige im Saarland!

Kriegerische Zeiten brechen dagegen für die Hilbringer wieder im Jahre 1970 an: Der "Müllkrieg" wütet erbittert zwischen der Gemeinde Hilbringen und der Kreisverwaltung Merzig und wird erst mit der Gebietsreform des Jahres 1974 beendet. Hilbringen hat zu diesem Zeitpunkt 2.940 Einwohner, die – ab dem 1.1.1974 – Teil des Merziger Stadtgebietes werden.

Mittlerweile hat man sich arrangiert, und in vielen Dingen seine Eigenständigkeit bewahrt. Und noch etwas ist für Hilbringen charakteristisch, man besitzt eigene – mit dem Ortsnamen verbundene – Aushängeschilder: die CEB-Akademie, die erfolgreichen Handballer und das SOS-Kinderdorf Saar. Themenschwerpunkte der Christlichen Erwachsenenbildung sind dabei Kurse, Seminare und Vorträge, Bildungs- und Studienreisen, Pflege des geistigen Erbes des christlichen Existenzphilosophen Peter Wust, Berufsbegleitende Weiterbildung, Arbeitsbeschafftungsmaßnahmen und BSHG-Projekte, Humanitäre Hilfsaktionen im In- und Ausland. Nicht zu vergessen, die "Gärten ohne Grenzen", ein floristisches Großprojekt im Saar-Lor-Lux-Raum, das von der Europäischen Union gefördert wird. Zudem besitzt man die staatliche Anerkennung als Einrichtung der allgemeinen und politischen Erwachsenenbildung im Saarland. Der HSV Merzig-Hilbringen wiederum ist nicht nur für seine erfolgreichen Handballer bekannt, sondern auch als ambitionierter Projektpartner des LSVS bei der Aktion "Kids in Bewegung". 
Ziel dieser Maßnahme ist die kindgerechte Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Unter dem Motto: „gesunde Kinder werden gesunde Erwachsene“ sollen Kinder vielseitige Körper- und Bewegungserfahrungen sammeln.

Mit fast 1.000 Mitgliedern sind die drei Sportvereine des Ortes sozusagen das gesundheitsbewusste Rückgrat des dörflichen Vereinslebens.

So organisiert der FSV Hilbringen gemeinsam mit der CEB alljährlich im September den sog. SaarwiesenLauf, einen landesweit beliebten Volkslauf in drei Kategorien, vom 5 und 10 km-Lauf bis zum 2-km Kinder- und Schülerlauf.

SOS - Drei Buchstaben für eine weltumspannende Idee. Seit 50 Jahren geben die SOS-Kinderdörfer auch in Deutschland Kindern ein Zuhause. Eines der ältesten, und das einzige im Saarland, findet man in Merzig-Hilbringen: das SOS-Kinderdorf Saar. In einem familienähnlichen Umfeld wachsen hier Kinder und Jugendliche mit festen Bezugspersonen auf, die einen aussichtsreichen Start in die Zukunft ermöglichen. Im Vertrauen auf eine familiäre und dörfliche Gemeinschaft können sich Stärken und Begabungen entfalten, die Halt für ein selbst bestimmtes Leben geben. Das SOS-Kinderdorf in Merzig steht zudem Menschen von außerhalb offen, die Beratung und Hilfe in familiären Belangen suchen. Ein Verbund sozialer Hilfen prägt das Angebot des SOS-Kinderdorfes Saar. Neben den SOS-Kinderdorf-Familien bietet die Einrichtung u.a. eine Kinder- und Jugendwohngruppe, eine Sozialpädagogische Tagesgruppe, den Gemeinwesen-Treffpunkt, das Projekt "Jung hilft Alt" sowie eine Nachmittagsbetreuung an der Erweiterten Realschule Merzig an. Und so spiegelt das "Dorf im Dorf" all dies wider, was auch für Hilbringen gilt: Gemeinwesen und Gemeinsinn...

Donnerstag, 31.05.2018

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Sonntag, 03.06.2018

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