Steine an der Grenze – Denkmäler der Freundschaft – immer einen Besuch wert!

Dienstag, 29 August 2017

Das deutsch-französische Grenzgebiet war jahrelang zwischen den verfeindeten Nationen hart umkämpft. Auf Wanderwegen – auf einem Höhenzug des Saargaues – zwischen den saarländischen Orten Büdingen und Wellingen und den lothringischen Nachbargemeinden Launstroff und Scheuerwald, kann man die Skulpturen „Steine an der Grenze“ (Französisch: Menhirs de l'Europe) entlang der deutsch-französischen Grenze, harmonisch in die Landschaft eingepasst, erkunden – als Denkmal und Symbole der Freundschaft, Völkerverständigung und Herzlichkeit, die heute über die Grenzen hinweg bestehen. Sie bilden übrigens das deutsch-französische Pendant zu der nordsaarländischen „Straße der Skulpturen“ in St. Wendel von Leo Kornbrust.

Die Initiative zum Projekt „Steine an der Grenze“ ergriff der saarländische Bildhauer Professor Paul Schneider aus Merzig – inspiriert vom österreichischen Bildhauer Karl Prantl, der der zwischen 1959 und 1977 regelmäßig in St. Margarethen im Burgenland zum gemeinsamen schöpferischen Arbeiten im Freien eingeladen hatte und so die erste Idee einer Skulpturenstraße über ein „Symposion Europäischer Bildhauer“ ins Leben rief.

Die ursprüngliche Absicht Paul Schneiders – als Geschenk für seine Heimatstadt Merzig gedacht – war die Schaffung einer Plastik „Sonnen-Lerchen-Hexen-Stein“. Im Jahre 1981 entwickelte er auf dieser Grundlage die Idee eines internationalen Symposions, aus dem eine Skulpturenstraße hervorgehen sollte – und diese zählt heute zu den bekanntesten Projekten des saarländischen Künstlers. Durch die Werke, welche die Überwindung von Isolation, Begegnung mit anderen, Offensein für das Gegenüber und gemeinsames Arbeiten als Charakteristika Paul Schneiders und seiner künstlerischen Arbeiten sowie seine Beziehung zu Menschen und zu dem ausgewählten Material ausstrahlen, entsteht in der herben Landschaft des Saargaus eine unverwechselbare Atmosphäre, in der der Betrachter sich selbst mit Grenzsituationen auseinandersetzten darf. Die zu Kunst gewordenen Steine präsentieren sich auch zu jeder Jahreszeit wieder neu.

Stein, das Material, welches Paul Schneider seit 1973 fast ausschließlich verwendet, ist für ihn viel mehr als bloße Rohmasse zum Heraustrennen von Abstraktem oder Figürlichem, nämlich der natürliche und individuelle Charakter eines jeden sorgfältig ausgewählten Steines, auf den er sich mit viel Empathie einlässt und mit ihm – nicht gegen ihn – arbeitet. Dadurch wird das jeweils Besondere deutlich erkennbar, sichtbar und beziehungsreich – der Stein wird Träger eines Gedankens – sowohl mit minimalen Eingriffen als auch durch Hinzufügen von Neuem. Der Künstler taucht ein in die Themen der kosmischen Welt: Licht und Dunkelheit, Öffnung und Verborgenheit, Bewegung und Ruhe, Natur und geometrische Formen, Chaos und Ordnung aber auch die Ausrichtung des Steins, Abbildung einer hellen und einer dunklen Seite, behandelte reflektierende und unbehandelte stumpfe Oberflächen u. v. m. sind wiederkehrende, immer wieder neu variierte und unterschiedlich gewichtete Themen und Motive. So eröffnet sich dem Betrachter eines Steines von Paul Schneider jenseits des sinnlich Erfahrbaren der geweitete Raum der Imagination.

Im Jahre 1986 fand das erste Symposion statt, zu dem Bildhauer aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz eingeladen waren. Alle während dieses Symposions geschaffenen Steinplastiken aus neuzeitlichen Megalithen wurden am Verlauf der Wanderwege entlang der deutsch-französischen Grenze aufgestellt. Schneider gab dem Projekt dazu passend den Namen „Steine an der Grenze“. Im selben Jahr wurde auf saarländischer Seite ein Förderverein gleichen Namens gegründet, auf lothringischer Seite dessen Pendant „Menhirs de l'Europe“. Beide Vereine werden von der Öffentlichen Hand in Lothringen und dem Saarland finanziell unterstützt, dabei agieren sie als ideelle und finanzielle Träger des Projektes. Mittlerweile fanden sechs weitere internationale Symposien statt, deren Arbeiten die Skulpturenstraße ständig vergrößerten.

Die einfache Strecke des Weges ist ungefähr vier Kilometer lang und hat einige Steigungs- und Gefälleteile. Er ist asphaltiert bzw. betoniert – außer in wenigen kurzen Teilstücken – und kann zu Fuß oder per Fahrrad erkundet werden.

Im Jahr 2002 wurden die beiden saarländischen Projekte und Bildhauersymposien „Steine an der Grenze“ und „Straße der Skulpturen“ miteinander verbunden – indem in Gehweiler an den Schnittstellen der Landkreise Merzig-Wadern und St. Wendel Skulpturen der beiden Initiatoren aufgestellt wurden. Die vorläufig letzten Steine wurden im Sommer 2005 von einem israelischen und einem palästinensischen Künstler in gemeinsamer Arbeit gesetzt, als gewolltes Zeichen für Begegnung und die friedliche Überwindung von Grenzen. Insgesamt sind 34 faszinierende Skulpturen, geschaffen von mehr als 27 Bildhauern aus 16 unterschiedlichen Nationen, zu bestaunen. Mittlerweile sind Paul Schneiders „Steine an der Grenze“ und Leo Kornbrusts „Straße der Skulpturen“ Bestandteil der „Europäischen Straße des Friedens“, der Skulpturenstraße Paris–Berlin–Warschau–Moskau – in Erinnerung gewidmet an den Bildhauer Otto Freundlich (1878–1943), der diese Idee skizziert hatte, sie aber nicht mehr realisieren konnte.

Die „Steine an der Grenze“ bieten dem Besucher neben dem Schaffen der verschiedenen Künstler eine außergewöhnliche Landschaftskulisse. Dort auf der Trennlinie zwischen den Gebieten zweier befreundeter europäischer Nachbarländer, schweift der Blick viele Kilometer weit in die Schönheit des Lothringer Landes. Diese lädt nicht nur den Wanderer zu einem atemberaubenden Spaziergang dies- und jenseits der deutsch-französischen Grenze ein.

Für Autofahrer gibt es sowohl am Beginn des Weges bei Büdingen, als auch von Wellingen aus kommend großzügig angelegte Parkplätze, die das Erwandern der Steine erleichtern.

Mehr Informationen erhalten Sie bei der Kreisstadt Merzig, telefonisch unter 85-330, per E-Mail: tourist@merzig.de, bei der Saarschleifenland Tourismus GmbH, Tel. 80-440, E-Mail: tourismus@merzigwadern.de oder über www.saarschleifenland.de.

 

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